In dieser neuen Attraktion in Rotterdam wird dir schwindelig: Werke der holländischen Meister werden zum Leben erweckt
Direkt unter der Erasmusbrücke eröffnet am 30. Juli eine neue Attraktion, die Augen und Ohren auf Hochtouren bringt. Sie heißt „Remastered“ und der Erfinder rechnet mit einer Viertelmillion Besuchern pro Jahr.
Kreativdirektor Robin Groenveld hat rund um weltberühmte Künstler, die alten holländischen Meister, eine Mischung aus Ausstellung und Veranstaltung konzipiert. Gemälde von Vincent van Gogh, Rembrandt, Johannes Vermeer, Pieter Bruegel, Hieronymus Bosch und Piet Mondrian wurden digital bearbeitet und werden an die Wände und auf den Boden projiziert. „Mondrian gehört offiziell nicht zu den alten holländischen Meistern, er stammt aus jüngerer Zeit“, fügt Groenveld schnell hinzu. „Aber Mondrian war ein großer Künstler, und mit seinem Werk lässt sich die Ausstellung perfekt abschließen.“
Monstrum
Die fließenden, klaren Linien von Mondrian werden passgenau von einem Track von 2ManyDJs „unterstützt“. Ein bereits existierender Titel übrigens, während Sam Feldt eigens Musik zu den skurrilen Figuren von Bosch komponierte – man denke an den Kopffüßer, den blauen Flötisten und das bärtige Ungeheuer –, die durch den Raum ziehen.

Neben einem staunenden Rundgang durch Remastered ist es keineswegs ungewöhnlich, wenn man zu tanzen beginnt. Oder sich ganz ruhig auf den Boden setzt, um das audiovisuelle „Spektakel“ auf sich wirken zu lassen. „Wir haben schon Freunde und Familie durch die Experience geschickt und danach gefragt, wie sie es fanden und was sie gesehen hatten. Jeder nannte etwas anderes, und während der eine von einem meditativen Moment sprach, erzählte ein anderer, dass er schön getanzt habe“, erzählt Groenveld.
Hier werden sicher auch Erwachsene malen und zeichnen, um ihr UFO oder ihre Rakete über den LED-Bildschirm fliegen zu lassen. Da bin ich mir sicher
Robin Groenveld, Kreativdirektor bei Remastered
Erasmusbrücke
Die Ausstellung über die sechs holländischen Meister bildet den Abschluss eines Rundgangs durch das 1000 Quadratmeter große Gebäude. Jahrelang stand es neben dem Ticketverkauf von Spido leer. Straßenbahnen, die über die Erasmusbrücke donnern, sind drinnen immer noch zu hören, doch laut Projektleiter Erich Römer ist der Lärm nach dem Umbau schon deutlich geringer geworden. „Der Raum, in dem wir die halbstündige Ausstellung über die holländischen Meister zeigen, ist mit einer zwei Meter dicken schalldichten Wand ausgestattet. Es ist eigentlich eine Box in einer Box geworden. Dieser Ansatz war wirklich notwendig, denn vorher konnten sich zwei Menschen, die sich unterhielten, nicht mehr verstehen, wenn eine Straßenbahn über die Brücke fuhr.“
Groenveld hofft, mit seiner neuen Form der Unterhaltung jährlich 250.000 Besucher anzulocken. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 (also vor Corona) verzeichnete der Zoo Blijdorp 1,56 Millionen Besucher, und sowohl die Kunsthal als auch das Nederlands Fotomuseum hatten mit 300.000 bzw. 100.000 Besuchern ein Rekordjahr. Ein Remastered-Ticket kostet für Erwachsene 24,50 Euro. Und wenn wir schon beim Vergleichen sind: Blijdorp verlangt 23,50 Euro Eintritt, die Kunsthal 16,50 Euro und das Fotomuseum liegt noch einmal 2,50 Euro darunter.
Unterwasserwelt
Insgesamt besteht „Remastered“ aus sechs Räumen. Die dort geschaffene digitale Bildwelt überschüttet die Besucher mit nicht weniger als 245 Millionen Pixeln. Die Unterwasserwelt ist dabei ein ganz besonderes Erlebnis. In diesem Raum sind an den Wänden Sensoren angebracht. Wenn ein Fischschwarm vorbeizieht und man die Hand mitten in diesem Schwarm an die Wand hält, schwirren Hunderte von Fischen auseinander.
Auch der Eingangsbereich ist einen Besuch wert. Auf einem LED-Bildschirm, der laut den beiden Männern der größte interaktive Indoor-LED-Bildschirm Europas ist, ist die niederländische Landschaft zu sehen. Mit Kühen und Windmühlen. Aber das Wichtigste ist das, was durch die Luft fliegt und schwebt. Denn darauf können die Besucher Einfluss nehmen.
„Es gibt vorgefertigte Raketen, Luftballons und UFOs, die Kinder ausmalen oder mit Text versehen können“, erklärt Groenveld. „Wenn sie fertig sind, können sie das Bild einscannen und sehen ihr Kunstwerk sofort auf dem Bildschirm. Ich habe das schon einmal im ArtScience Museum in Singapur gesehen. Auch Erwachsene haben dort genauso eifrig gemalt und gezeichnet, und genau das wird hier auch passieren. Da bin ich mir sicher!“